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Abrechnung22. April 2026·6 Min Lesezeit

Videosprechstunde richtig aufsetzen: KBV-Regeln, Abrechnung, Tools (Stand 2026)

Die Videosprechstunde ist seit 2020 etabliert, aber viele Praxen rechnen sie unter Wert ab oder unterschätzen die Technik-Anforderungen. Was 2026 wirklich gilt — EBM-Ziffern, Anbieter-Zertifizierung, Patient-Workflow und die häufigsten Fehler.

Warum das Thema 2026 wieder heiß ist

Die Videosprechstunde war Pandemie-Thema. Danach ist es in vielen Praxen wieder versandet. 2025 hat die KBV die Regelungen verfeinert, 2026 greifen verschärfte DSGVO-Standards. Gleichzeitig wollen Patienten (insbesondere chronisch Kranke, Berufstätige, Eltern) die Videosprechstunde mehr denn je.

Kurz: Wer jetzt richtig aufsetzt, hat einen Wettbewerbsvorteil. Wer alt weitermacht, rechnet falsch ab und verliert langsam Patienten an Praxen mit besserem Service.

Die relevanten EBM-Ziffern (2026)

Kernziffern

  • 01450 — Videosprechstunde (ärztlich) · ~€20 – €28 abhängig von Dauer
  • 01442 — Zusatzpauschale Videosprechstunde Hausärzte · ~€5
  • 01444 — Zusatzpauschale Videosprechstunde Fachärzte · ~€5
  • 01451 — Technik-Zuschlag (nur Juristische Hilfe, Rezept) · kleinere Beträge

Häufig vergessene Kombinationen

  • Beratung per Video + gleichzeitig Chroniker-Zuschlag 03220: ja, zulässig wenn Kontakt-Voraussetzungen erfüllt
  • DMP-Ziffer + Videosprechstunde: ja, wenn in DMP-Richtlinien vorgesehen (Diabetes, KHK)
  • Präventionsziffern via Video: eingeschränkt möglich (Check-up nur teilweise)

Volumen-Grenzen

  • 30% aller Behandlungsfälle dürfen per Video abgerechnet werden (alte Regelung 20% seit 2024 auf 30% angehoben)
  • Bei Überschreitung: Kürzung durch KV, nicht Abrechnungs-Verbot

Was eine Praxis an Honorar liegen lässt

Typische Hausarztpraxis, 1.500 Behandlungsfälle/Quartal, bisher 0 Video-Sprechstunden:

  • 300 Fälle könnten Video sein (20% ist realistisch)
  • 300 × €25 = €7.500/Quartal = €30.000/Jahr zusätzliches Honorar

Realistisch erreichbar: 150-200 echte Video-Fälle pro Quartal → €15.000 – €20.000/Jahr Mehrumsatz.

Gleichzeitig: Patient-Zeit-pro-Fall oft kürzer bei Video (keine Wartezeit, kein Raum-Wechsel) → +15% Kapazität.

Anbieter-Zertifizierung (Pflicht!)

Nicht erlaubt: Zoom, Skype, WhatsApp-Video, FaceTime.

Zulässig (nach KBV-Zertifizierungsliste):

  • arztkonsultation.de — günstig, vollintegriert
  • jameda Videosprechstunde — bekannte Marke
  • TeleClinic — Premium-Anbieter
  • Doctolib-Video — wenn Sie Doctolib eh nutzen, einfachste Integration
  • samedi Video — Server in DE, starke DSGVO-Compliance
  • sprechstunde.online — günstiger Einstieg

Prüfen Sie auf der KBV-Liste (aktualisiert quartalsweise): https://www.kbv.de/html/27645.php

Technik-Anforderungen in Ihrer Praxis

Muss

  • Stabile Internet-Verbindung (mind. 10 Mbit Upload empfohlen)
  • HD-Webcam + Mikrofon am Arzt-PC
  • Ruhige Umgebung (kein offenes Zimmer)
  • Sicheres Netzwerk (kein offenes Gast-WLAN)

Sollte

  • Zweitmonitor — Patient auf Monitor 1, PVS auf Monitor 2
  • Kopfhörer mit Mikro (verhindert Echo)
  • Dedizierte Verfügbarkeits-Zeiten im Kalender (z.B. Di + Do jeweils 14-16 Uhr)

Patient-Workflow Schritt-für-Schritt

  1. Patient bucht Video-Termin über Praxis-Website oder Termin-Widget
  2. Bestätigungsmail mit Link + Technik-Check ("Können Sie die Kamera freigeben? Ton funktioniert?")
  3. Reminder 1 Tag vorher per SMS (hohe Adherence-Quote!)
  4. Wartezimmer-Link 15 Min vor Termin: Patient loggt ein, Arzt-System sieht "Patient wartet"
  5. Arzt startet Session: 15-25 Min Konsultation
  6. Rezept/Überweisung per eRezept oder Post (KIM-sichere Übertragung)
  7. Folge-Termin direkt im System buchen lassen

Die 3 häufigsten Patient-Abbrüche

  1. Technik-Probleme beim ersten Login → Lösung: Technik-Check 24h vorher per Email
  2. Patient versteht Prozess nicht ("Muss ich hier einloggen oder nur warten?") → Lösung: kurzes Erklär-Video auf Praxis-Website
  3. Bild/Ton schlecht → Lösung: klare Mindest-Anforderungen kommunizieren ("Bitte Laptop mit HDMI-Monitor, nicht Handy")

Die 5 häufigsten Abrechnungs-Fehler

  1. Nur 01450 gebucht, 01442/01444 vergessen — Zusatzpauschale geht on top
  2. Zu kurze Videos — Beratung unter 5 Min kann zu Kürzung führen. KBV-Empfehlung: min. 5 Min Arzt-Patient-Zeit
  3. Videokonferenz mit Dritten — wenn Angehörige oder Pflegedienst dabei sind, nicht alle Konstellationen zulässig
  4. Kein EBM-Kennzeichen "V" — Ziffer muss als Video-Fall markiert sein
  5. Dokumentation fehlt — Video muss wie Präsenz-Termin dokumentiert werden (nicht die Aufzeichnung, sondern der Befund)

DSGVO-Punkte (2026 verschärft)

  • Keine Session-Aufzeichnung ohne schriftliche Einwilligung (doppelte!)
  • Server-Standort Deutschland/EU Pflicht für alle Anbieter
  • Zugriff auf Patient-Daten nur durch den Arzt selbst (keine MFA mit Video-Zugriff ohne Einwilligung)
  • Chat-History muss nach Termin gelöscht werden oder in Patient-Akte dokumentiert

Was wir im Hosted Pro mitliefern

Im MeinPraxisPartner Hosted Pro (€499/Mo) ist die Videosprechstunde vorbereitet:

  • Integration mit samedi-Video (KBV-zertifiziert, EU-Server)
  • Workflow-Integration: Termin-Buchung → Bestätigungsmail → Wartezimmer-Link
  • Abrechnungs-Template mit den richtigen EBM-Ziffern
  • DSGVO-Pakete: Einwilligung + AV-Vertrag + Patient-Info

➜ MeinPraxisPartner Pro anschauen

Wenn Sie schon Video-Sprechstunde machen

...dann lassen Sie uns im PraxisAudit (€490) mal kurz drüberschauen:

  • Rechnen Sie die Zusatzpauschalen richtig ab?
  • Liegen Sie im 30%-Limit?
  • Ist der DSGVO-Setup 2026-konform?
  • Gibt es Patient-Abbruch-Muster?

Typisches Finding bei dieser Art Audit: €2.000 – €5.000/Jahr Zusatz-Potenzial alleine durch bessere Abrechnung der bestehenden Video-Fälle.

Der einfache Start

Wenn Sie noch gar nicht Video-Sprechstunde machen: fangen Sie klein an. 4 Slots/Woche, nur Bestandspatienten, nur Folgetermine. Wenn das 2 Quartale läuft: erweitern.

Die meisten Praxen, die scheitern, haben zu groß gestartet und dann bei Technik-Problemen alles gestoppt.

Sie wollen diesen Artikel auf Ihre Praxis übertragen?

Im PraxisAudit schauen wir uns Ihre konkrete Situation an und liefern eine Roadmap.

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