Warum das Thema 2026 wieder heiß ist
Die Videosprechstunde war Pandemie-Thema. Danach ist es in vielen Praxen wieder versandet. 2025 hat die KBV die Regelungen verfeinert, 2026 greifen verschärfte DSGVO-Standards. Gleichzeitig wollen Patienten (insbesondere chronisch Kranke, Berufstätige, Eltern) die Videosprechstunde mehr denn je.
Kurz: Wer jetzt richtig aufsetzt, hat einen Wettbewerbsvorteil. Wer alt weitermacht, rechnet falsch ab und verliert langsam Patienten an Praxen mit besserem Service.
Die relevanten EBM-Ziffern (2026)
Kernziffern
- 01450 — Videosprechstunde (ärztlich) · ~€20 – €28 abhängig von Dauer
- 01442 — Zusatzpauschale Videosprechstunde Hausärzte · ~€5
- 01444 — Zusatzpauschale Videosprechstunde Fachärzte · ~€5
- 01451 — Technik-Zuschlag (nur Juristische Hilfe, Rezept) · kleinere Beträge
Häufig vergessene Kombinationen
- Beratung per Video + gleichzeitig Chroniker-Zuschlag 03220: ja, zulässig wenn Kontakt-Voraussetzungen erfüllt
- DMP-Ziffer + Videosprechstunde: ja, wenn in DMP-Richtlinien vorgesehen (Diabetes, KHK)
- Präventionsziffern via Video: eingeschränkt möglich (Check-up nur teilweise)
Volumen-Grenzen
- 30% aller Behandlungsfälle dürfen per Video abgerechnet werden (alte Regelung 20% seit 2024 auf 30% angehoben)
- Bei Überschreitung: Kürzung durch KV, nicht Abrechnungs-Verbot
Was eine Praxis an Honorar liegen lässt
Typische Hausarztpraxis, 1.500 Behandlungsfälle/Quartal, bisher 0 Video-Sprechstunden:
- 300 Fälle könnten Video sein (20% ist realistisch)
- 300 × €25 = €7.500/Quartal = €30.000/Jahr zusätzliches Honorar
Realistisch erreichbar: 150-200 echte Video-Fälle pro Quartal → €15.000 – €20.000/Jahr Mehrumsatz.
Gleichzeitig: Patient-Zeit-pro-Fall oft kürzer bei Video (keine Wartezeit, kein Raum-Wechsel) → +15% Kapazität.
Anbieter-Zertifizierung (Pflicht!)
Nicht erlaubt: Zoom, Skype, WhatsApp-Video, FaceTime.
Zulässig (nach KBV-Zertifizierungsliste):
- arztkonsultation.de — günstig, vollintegriert
- jameda Videosprechstunde — bekannte Marke
- TeleClinic — Premium-Anbieter
- Doctolib-Video — wenn Sie Doctolib eh nutzen, einfachste Integration
- samedi Video — Server in DE, starke DSGVO-Compliance
- sprechstunde.online — günstiger Einstieg
Prüfen Sie auf der KBV-Liste (aktualisiert quartalsweise): https://www.kbv.de/html/27645.php
Technik-Anforderungen in Ihrer Praxis
Muss
- Stabile Internet-Verbindung (mind. 10 Mbit Upload empfohlen)
- HD-Webcam + Mikrofon am Arzt-PC
- Ruhige Umgebung (kein offenes Zimmer)
- Sicheres Netzwerk (kein offenes Gast-WLAN)
Sollte
- Zweitmonitor — Patient auf Monitor 1, PVS auf Monitor 2
- Kopfhörer mit Mikro (verhindert Echo)
- Dedizierte Verfügbarkeits-Zeiten im Kalender (z.B. Di + Do jeweils 14-16 Uhr)
Patient-Workflow Schritt-für-Schritt
- Patient bucht Video-Termin über Praxis-Website oder Termin-Widget
- Bestätigungsmail mit Link + Technik-Check ("Können Sie die Kamera freigeben? Ton funktioniert?")
- Reminder 1 Tag vorher per SMS (hohe Adherence-Quote!)
- Wartezimmer-Link 15 Min vor Termin: Patient loggt ein, Arzt-System sieht "Patient wartet"
- Arzt startet Session: 15-25 Min Konsultation
- Rezept/Überweisung per eRezept oder Post (KIM-sichere Übertragung)
- Folge-Termin direkt im System buchen lassen
Die 3 häufigsten Patient-Abbrüche
- Technik-Probleme beim ersten Login → Lösung: Technik-Check 24h vorher per Email
- Patient versteht Prozess nicht ("Muss ich hier einloggen oder nur warten?") → Lösung: kurzes Erklär-Video auf Praxis-Website
- Bild/Ton schlecht → Lösung: klare Mindest-Anforderungen kommunizieren ("Bitte Laptop mit HDMI-Monitor, nicht Handy")
Die 5 häufigsten Abrechnungs-Fehler
- Nur 01450 gebucht, 01442/01444 vergessen — Zusatzpauschale geht on top
- Zu kurze Videos — Beratung unter 5 Min kann zu Kürzung führen. KBV-Empfehlung: min. 5 Min Arzt-Patient-Zeit
- Videokonferenz mit Dritten — wenn Angehörige oder Pflegedienst dabei sind, nicht alle Konstellationen zulässig
- Kein EBM-Kennzeichen "V" — Ziffer muss als Video-Fall markiert sein
- Dokumentation fehlt — Video muss wie Präsenz-Termin dokumentiert werden (nicht die Aufzeichnung, sondern der Befund)
DSGVO-Punkte (2026 verschärft)
- Keine Session-Aufzeichnung ohne schriftliche Einwilligung (doppelte!)
- Server-Standort Deutschland/EU Pflicht für alle Anbieter
- Zugriff auf Patient-Daten nur durch den Arzt selbst (keine MFA mit Video-Zugriff ohne Einwilligung)
- Chat-History muss nach Termin gelöscht werden oder in Patient-Akte dokumentiert
Was wir im Hosted Pro mitliefern
Im MeinPraxisPartner Hosted Pro (€499/Mo) ist die Videosprechstunde vorbereitet:
- Integration mit samedi-Video (KBV-zertifiziert, EU-Server)
- Workflow-Integration: Termin-Buchung → Bestätigungsmail → Wartezimmer-Link
- Abrechnungs-Template mit den richtigen EBM-Ziffern
- DSGVO-Pakete: Einwilligung + AV-Vertrag + Patient-Info
➜ MeinPraxisPartner Pro anschauen
Wenn Sie schon Video-Sprechstunde machen
...dann lassen Sie uns im PraxisAudit (€490) mal kurz drüberschauen:
- Rechnen Sie die Zusatzpauschalen richtig ab?
- Liegen Sie im 30%-Limit?
- Ist der DSGVO-Setup 2026-konform?
- Gibt es Patient-Abbruch-Muster?
Typisches Finding bei dieser Art Audit: €2.000 – €5.000/Jahr Zusatz-Potenzial alleine durch bessere Abrechnung der bestehenden Video-Fälle.
Der einfache Start
Wenn Sie noch gar nicht Video-Sprechstunde machen: fangen Sie klein an. 4 Slots/Woche, nur Bestandspatienten, nur Folgetermine. Wenn das 2 Quartale läuft: erweitern.
Die meisten Praxen, die scheitern, haben zu groß gestartet und dann bei Technik-Problemen alles gestoppt.